Leseempfehlung

Leseempfehlung von Johanna Rau

Albrecht Gralle
"Als Luther vom Kirchbaum fiel und in der Gegenwart landete"
erschienen im Brendow-Verlag, 2015

 

Ein Lutherbuch der besonderen Art:
Eigentlich soll Luther auf Drängen seiner Frau Käthe Kirschen im Garten pflücken, als ihn ein Gewitter überrascht und ein Blitzstrahl in das Jahr 2017 katapultiert.

Dort findet sich Luther in einer Welt, die eine seltsame Sprache spricht und in der sich alles von selbst zu bewegen scheint. Zum Glück nimmt sich der frisch pensionierte Pfarrer Andreas Sonnhüter seiner an. Er ist sich anfangs nicht sicher, ob es sich um den echten Luther oder nur um einen sehr talentierten Schauspieler handelt. Bald kommt auch noch eine junge Studentin dazu, die Jüdin ist, aber sich aus Interesse am christlichen Glauben für ein Theologiestudium entschlossen hat.
Luther erlebt nun allerhand Kurioses. "Seine" Kirche hat sich erfreulicherweise so lange Zeit hindurch gehalten, hat aber doch einige Veränderungen erlebt, die ihm zu schaffen machen: Bei einem Gottesdienstbesuch z.B. wundert er sich über die wenigen Besucher ("Ist im Ort ein Unglück geschehen, dass die Leute nicht in die Kirche kommen?"), auch die Predigt missfällt ihm. Er wird in einen Hauskreis eingeladen und stellt entsetzt fest, dass er da in eine Gruppe Wiedertäufer geraten ist...

In Gesprächen mit seinen Begleitern kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit seiner eigenen Haltung z.B. in der Judenfrage.

Das Buch ist äußerst unterhaltsam geschrieben, enthält aber durchaus ernstzunehmende Auseinandersetzungen mit Theologie und Lebensweise. Eine ungewöhnliche Sichtweise auf den Reformator, die beim Lesen Spaß macht und gleichzeitig zum Nachdenken einlädt.